Aug 21, 2018 Last Updated 10:38 AM, Aug 20, 2018

Wenn ich einmal in einem Traum versunken bin

Wenn ich einmal …

 

Wenn ich einmal in einem Traum versunken bin, möchte ich dass die Welt stehen bleibt und der Zeiger der Uhr nicht weiterrückt. Dass ich nicht von Technik umzingelt bin – die Handys nicht vibrieren, ich nicht von SMS bombardiert werde, denn wer vernetzt ist, lernt schnell das Alleinsein. Das ist der Preis der Erreichbarkeit, erreichbar zu sein … Ich denke an das alt gewordene Paar, das ich neulich im Park sah – er trug ihre Tasche und hielt ihre Hand. Nach geschätzten 50 Jahren waren sie sich immer noch so nah. Im Schulhof stand neulich ein Junge allein. Er war erst neu bei uns auf der Schule. Da sprach ihn ein Mädchen an: „Hi sag mir deinen Namen, dann erzähle ich dir von mir.“

Ist das nichts - wenn wir helfen können, wenn wir nur wollen. Klar fällt es uns allen schwer, den ersten Schritt zu wagen. Ich wünschte ich selbst könnte manchmal über meine Trägheit siegen. Ich glaube, was wirklich zählt, bekommt man nicht für Geld. Sehr wichtig ist, dass jemand zu einem steht. Wir sollten alle mehr mit dem Herzen sehen und nicht resignieren.

Ich bin 14 Jahre alt und ich weiß, dass ich kein Weltverbesserer bin. Und so sind halt noch manche Hirngespenster in meinem Kopf. Doch ich weiß, dass ich unbedingt Erzieherin werden möchte. Ich habe auch schon an einem Praktikum im Christophourushaus teilgenommen. Ich würde so gern den Erwachsenen von morgen etwas mitteilen, was mich bewegt.

Was wirklich wichtig ist, ist nicht immer, was man so nennt, nicht, was man tut oder ist oder hat. Ich glaube, was wichtig ist, begreift manch einer erst zu spät, weil man manche Dinge nicht mit dem Verstand versteht, sondern mit dem Herzen. Vielleicht sollten wir alle mehr Wärme und Vertrauen in Fähigkeiten zulassen, die wir erst gar nicht sehen. Oder können wir Liebe zulassen und eine Brücke bauen, die uns zum Nächsten führt? Durch ein Lächeln sehen uns Kinder an, dass wir ihnen jeden Streich verzeihen. Ich wünsche mir, wenn Kinder suchen, zweifeln und fragen eine Antwort oder das passende Wort zu finden. Doch ich weiß, dass das nicht immer möglich ist.

Kinder sehen die Welt so unbegreiflich und doch so leicht. Ich träume, dass immer jemand für mich da ist, mich los lässt und an meine Liebe glaubt.

So wie es bis jetzt auch war. Dass ich nicht nur dem Glück hinterher hetze, sondern für einen Augenblick das Glück fasse. Ich lebe in einem Land, wo Freiheit nicht nur ein Wort ist, wo die Sonne uns wärmt und der Wind uns manchmal heftig um die Nase pustet. Und gerade deshalb sollten wir uns Zeit nehmen für ein bisschen Dankbarkeit und nicht nur meckern. Tief in meinem Herzen, weiß ich, dass aus Zuversicht Wirklichkeit werden kann.

Theresa Ortlepp